Heimatmuseum mit Wasserburg Friedewald

Fachwerk

Den Blickpunkt im Eingangsbereich des Museums bildet ein Fachwerk, wie es im Ortsbild hiesiger Dörfer kaum noch zu finden ist. Bei diesem Fachwerk handelt es sich um Teile eines um 1600 erbauten Herrenhauses, welches bis in die 70er Jahre unseres Jahrhunderts in Unterhaun gestanden hat.

Die Türpfosten sind aufwendig beschnitzt, und am linken Pfosten ist noch das Wappen der ehemaligen Bewohner, der Herren zu Gans, in Form von zwei stilisierten Gänsen zu erkennen. Das Fehlen eines Wappens am rechten Türpfosten erklärt die Legende wie folgt: Der von einer Fehde heimkehrende Hausherr schlug voller Zorn das Wappen seiner Gemahlin - wegen deren Untreue - ab.

 

Die verzierte Eichentür (über Eck gestellte Quadrate) ist mit handgeschmiedeten Nägeln beschlagen, mit einem schmiedeeisernen Schloß und einem Knauf versehen. Oberhalb der Tür befinden sich zwei Kopfwinkelhölzer mit eingeschnittenen Herzen und unterhalb eine Sandsteinschwelle.

Im Anschluß an die Türeinheit finden sich ein bleiverglastes Schiebefenster sowie unterschiedlich ausgearbeitete Gefache: Im unteren Bereich mit Fitzgerten und Lehm (ältere Form der Ausfachung) bzw. Lehmziegeln ausgefacht und im oberen Bereich mit dem schützenden Kalkanstrich versehen. Oberhalb der gesamten Einheit erstreckt sich ein Rähmbalken ,der Abschluß der Wand wird auf der rechten Seite durch einen reich beschnitzten Eckständer gebildet. Eckständer, auch Eckstöcke genannt, wurden im Fachwerkbau an den Gebäudeecken angebracht. Als Neidköpfe  werden sie dann bezeichnet, wenn sie mit einem schematisierten Gesicht versehen sind. Neben der statischen Funktion und dem Schmuckcharakter sollten diese Neidköpfe - symbolisch betrachtet - Neider, böse Geister und somit Unheil vom Haus und seinen Bewohnern fernhalten.

Im deutschen Fachwerkbau unterscheidet man die drei Stilgruppen des niedersächsischen, alemannischen und fränkischen Fachwerks. Die Fachwerkbauten Hessens gehören überwiegend dem fränkischen Stil an, der sich von Thüringen bis zu Nahe, Mosel und Sieg und vom Neckar bis zu Diemel und Werra erstreckt. Die Fachwerkbauten sind häufig mit Ornamenten oder figuralen Schnitzereien, vor allem an den Eckständern, versehen und mehrfarbig bemalt. Nicht selten sind aber, wie in unserem Beispiel, auch Türen, Brüstungen oder Rähmbalken verziert. Fachwerkbauten sind Skelettkonstruktionen und alle statisch wirksamen Kräfte werden durch die Fachwerkstäbe abgeleitet, so dass die Ausfachungen statisch unwirksam bleiben.

Zu unterscheiden sind der Ständerbau bis 1400, bei dem die Ständer ein- oder mehrgeschossig durchgehend, schwellenlos auf Fundamentplatten gestellt wurden und nachfolgend der Rähmbau. Dieser zeichnet sich durch wandgroße Rahmen und die konstruktive Trennung der einzelnen Stockwerke aus.