Heimatmuseum mit Wasserburg Friedewald

Handwerk im 20. Jahrhundert

Küfer

Küfer, Büttner, Böttcher oder Binder sind Berufsbezeichnungen für ein Handwerk, bei dem Gefäße aus hölzernen Stäben zusammengesetzt und durch eiserne Bänder zusammengehalten werden. Während des Zunftzwanges wurden den Böttchern die Weichhölzer,

den Küfern die Harthölzer zugeordnet. Der Berufsstand des Küfers oder Böttchers war, wie eine Reihe anderer holzverarbeitender Berufe (Stellmacher, Holzhauer, Mollenhauer, Zimmermann) aufgrund des Waldreichtums in Friedewald zahlreich vertreten.

Die Fertigprodukte waren hochwandige, gradwandige, runde, ovale oder bauchige Vorratsgefäße wie Butter, Kraut-, Pökel-, Schmalz- und Bierfässer aber auch Arbeitsgeräte wie Eimer, Jauchefass, Melkzuber, Bornkanne, Blumenkübel, Wanne, Waschbottich oder Waschmaschine. Diese Produkte wurden sowohl auf Bestellung als auch für die Märkte der Umgebung hergestellt.

Zur Herstellung z. B. eines Fasses waren die folgenden Arbeitsgänge notwendig. Zu Beginn wurden vom Fassbinder Hölzer aus dem Stamm geschlagen oder gesägt und mit Schlegel und Spalteisen auf die gewünschte Stärke gebracht. Diese Dauben wurden nach dem Trocknen mit dem Gradeeisen zugeschnitten, auf der Innenseite mit dem Krummesser ausgehöhlt und mit dem Fügehobel geglättet. An den Seiten erhielten die Dauben Fugen um ein sauberes aneinandersetzen zu ermöglichen. Letzte Korrekturen wurden mit dem Lenkbeil durchgeführt.

Um die notwendigen Fassbänder oder Reifen auf die zwar etwas gebogen gearbeiteten aber für die Reifen zu weiten Dauben aufziehen zu können, wurde das zusammengesetzte Gebinde entweder über einem Feuer erwärmt, mit einer Faßwinde zusammengezogen oder durch Kochen und Dämpfe biegsam gemacht. Sodann wurde die Außenseite des Fasses geglättet, die Dauben mit dem Endhobel auf eine einheitliche Länge gebracht, die Innenseite mit dem Auskerbhobel geglättet, oben und unten eine Kimme eingehobelt und vor dem Einsetzen der Bodenstücke die Spunt- und Zapflöcher gebohrt und das Fass gereinigt. Der bedeutendste Nachfrager nach solchen Fässern war die Brauerei Zinn. Der Gründer der Brauerei, Ludwig Zinn, war neben dem Beruf des Brauers auch Böttcher. Nach dem großen Brand baute er im Jahre 1865 auf dem Platz der ehemaligen Apotheke, von der das Feuer ausging, die Brauerei. Diese wurde von seinem Sohn Heinrich Zinn bis zum Jahre 1915 betrieben. Für die Brauerei fertigten die ortsansässigen Küfer (Träger und Brod) viele neue Fässer an, erledigten aber auch Reparaturen. Nach der Schließung der Brauerei und durch die nach der Jahrhundertwende einsetzende Verdrängung der Holzbehälter durch Metallgerätschaften verschwand allerdings auch das Handwerk des Böttchers oder Küfers aus dem Ortsbild.

Stellmacher

Das Berufsbild des Stellmachers war, wie das vieler Handwerksberufe, zwischen der Stadt und dem Land unterschiedlich. Während in der Stadt vorwiegend Wagen und Kutschen gebaut wurden, so fertigte der Stellmacher auf dem Land überwiegend landwirt-schaftliche Geräte. Neben Pflug, Egge, Schubkarre und Handwagen war der Leiterwagen das größte und aufwendigste Produkt. In der Regel hatten aber auch die Stellmacher, wie die meisten Berufe auf dem Lande, mehr Reparaturen als Neuanfertigungen durchzuführen. Das lag zum einen daran, dass die Gerätschaften solide gebaut waren, und zum anderen verfügten die Bauern über so wenig Geld, dass eine Neuanschaffung wohl überlegt sein wollte.

Die Kunst des Stellmacherhandwerks zeigt sich vor allem bei der Herstellung eines Holzrades. Zuerst wurde der Nabenrohling auf der Drehbank abgedreht und anschließend die Speichenlöcher mit einem Schneckenbohrer angebohrt sowie mit Beitel und Schlegel kantig ausgearbeitet. Die Speichen wurden auf der Zugbank mit dem Zugmesser am Nabenende dick und rechteckig, am Felgenende dünner und oval abgezogen. Damit die Nabe, nunmehr in der Stellmacherbank eingespannt, bei dem Einschlagen der Speichen nicht platzte, war sie mit zwei Eisenbändern verstärkt worden.

Die zurechtgesägten Felgen wurden auf der Innenseite mit dem Schiffshobel rundgearbeitet und die anderen Seiten mit dem Schichthobel geglättet. Die Löcher für die Speichen wurden angezeichnet und mit einem Stockbohrer vor-, und einem Löffelbohrer nachgebohrt. Dann wurden die Speichen auf eine einheitliche Länge gebracht und an den Enden passend bearbeitet. Die Felgen wurden untereinander verdübelt, auf die Speichen geschlagen und verkeilt. Mit Zugmesser, Raspel und Feile wurde dem Rad der letzte Schliff gegeben und schlussendliche mit dem Nabenbohrer das Nabenloch gebohrt. Die Räder, aber auch alle übrigen Teile eines Wagens, kamen dann zum Schmied, der die nötigen Eisen zu schmieden hatte.

Schmied

Aus Hans Sachs Aufzählung ist zu entnehmen, wie vielfältig der Beruf des Schmiedes bzw. des Schlossers war. Die Vielzahl der Aufgaben und Tätigkeiten brachte im Laufe der Zeit eine weitere Spezialisierung mit sich, die vor allem in den Städten zu neuen Berufen geführt hat, wie z. B. Nagelschmied, Hufschmied, Kesselschmied, Messerschmied oder Feilenhauer. Hingegen war auf dem Lande der Schmied nach wie vor für alles, was mit Eisen zu tun hat, zuständig und der wichtigste Handwerker im Dorf. Die Tatsache, dass noch 1930 vier Schmiede in Friedewald tätig waren, verdeutlicht, wie wichtig, gefragt und häufig der Handwerksberuf Schmied war.

Der Dorfschmied hatte die Pferde und Kühe zu beschlagen, die eisernen Reifen auf die Räder der Fuhrwerke zu ziehen, den Pflug oder die Egge auszubessern sowie landwirtschaftliche Geräte wie Sensen, Sicheln, Mistgabeln, Hacken oder Schaufeln herzustellen. Die dazu notwendigen Werkzeuge schmiedete er sich genauso selber wie Nägel, Türbeschläge, Schlösser, Grabkreuze, Gitter u. v. m.

Für den Schmied war das wichtigste Gerät neben der Esse und dem Blasebalg der Amboss. Als Handwerkzeug benutzte der Schmied die Vorschlag-, Kreuzschlag-, Setz-, Flach- und Schlichthämmer, die Feuer-, Schmiede., Stock-, Flach-, Rund-, Blech-, Kneip- und Döpperzangen sowie Biegegabeln, Schraubenschlüssel, Schrotbeile, Schrotmeißel und die verschiedensten Gesenkeisen. Darüber hinaus benötigte er für das Herstellen von Hufeisen und das Beschlagen der Tiere den Hufhammer, die Hufzange, das Hufmesser, den Klauenschneider, eine Anzahl von Raspeln zum Feilen der Hufe und die für den Beschlag und das Eisen richtigen Nägel.

Der Schmied arbeitete in der Regel allein, allenfalls mit einem Lehrling. Bei Arbeiten, die einen oder mehrere Handlanger verlangten, wie z. B. das Aufziehen der Reifen, half zumeist die Familie. Das Reifenaufziehen war eine häufige Arbeit, brachen doch bei den schlechten Wegen und den beladenen Wagen häufig die Holzräder. Diese Arbeit war sehr schwierig und verlangte viel Erfahrung, denn wenn der Eisenreifen zu knapp bemessen war und er sich beim Erkalten zu stark zusammenzog, konnte der Holzreifen gesprengt werden und die Umstehenden verletzen. Hatte der Stellmacher den Holzreifen fertiggestellt, so nahm der Schmied Maß. Der Umfang des aufzuziehenden Eisenreifens war in der Regel 2 - 3 cm geringer als der Felgenumfang. Das Holzrad wurde mit drei Holzstempeln waagerecht aufgestellt und der Eisenreifen gleichmäßig in der Esse erhitzt. Durch das Erhitzen dehnte sich der Reifen aus und konnte im glühenden Zustand auf die Felge aufgesetzt und aufgeschlagen werden. Diese Arbeit musste sehr schnell geschehen, da der Holzreifen zu brennen begann und abgekühlt werden musste. Dies geschah entweder in einem Wassertrog oder durch Begießen mit Wasser. Durch das Abkühlen zog sich der Eisenreifen fest um das Holzrad.